Chronik

18. + 19. Jahrhundert

Anfänglich waren die Meisten Könige Junggesellen, doch finden wir ab 1788 nur noch verheiratete Männer. Daher wird im Jahre 1824 die "Junge Gesellen Gesellschaft" neu gegründet und mit G. H. Laarmann im Jahr 1825 ein Junggeselle erstmals wieder König.

1824 wird auch ein Nackenschild für die Königskette angeschafft, die in Ihrer Inschrift erstmals den Begriff "Bruderschaft" wörtlich nennt. Als Besonderheit sei vermerkt, dass für 1779 und 1828 jeweils zwei verheiratete Männer als Könige ausgewiesen werden. Die Ursachen dafür sind unbekannt. Daraus muss gefolgert werden, dass Junggesellen und verheiratete Männer zwei getrennte Abteilungen in der Schützenbruderschaft gebildet haben. Wir wissen aus einer Nachricht aus dem Jahr 1863, dass jede Abteilung eine eigene Königskette hatte.

Ergänzend bleibt anzumerken, dass als sicherer Aufbewahrungsort für die Junggesellen-Königskette oftmals die Sakristei gedient hat. Am 26. Juli 1775 wird sie dort gegen eine Gebühr von 33 Pfennigen, am 24. Juli 1784 gegen eine solche von 42 Pfennigen hinterlegt.

Ab dem Jahre 1843 stehen uns dann aus einem von der Männergesellschaft geführten Protokoll- und Rechnungsbuch detaillierte Unterlagen über deren Schützenfeste zur Verfügung.

Wegen der Erstmaligkeit seien daher die Vorbereitungen des Schützenfestes aus dem Jahre 1843 ausführlich geschildert:

Einladung
Nach dem Wunsche mehrerer Eingesessenen soll am 30ter d. Monats ein gemeinschaftliches Schützenfest veranstaltet werden, um aber die nötigen Vorkehrungen gehörig treffen zu können, wird jeder, der daran teilzunehmen wünscht, ersucht, sich zur Beiwohnung durch seine Namensunterschrift zu verbinden und zugleich eingeladen, nach Beendigung des nachmittägigen Gottesdienstes am Sonntag, dem 23ten des Monats bei mir sich zu versammeln, um alsdann aus ihrer Mitte den Vorstand zu wählen und das weiter Erforderliche  zu besprechen.
Zur gefälligen Unterschrift ladet ein
Südkirchen, 20ten Juli 1843     W. Elberg gt. Kiese


Auf diese Einladung trugen sich 80 Schützen in die Liste ein und zahlten einen Festbetrag von 10 Silbergroschen oder freiwillig auch mehr. In der Versammlung am 23. wurde beschlossen, das Fest am 1. und 2. August zu feiern. Ferner wurden die Schützen in drei Kompanien (Dorf, Osterbauerschaft, Westerbauerschaft) aufgeteilt und das Offizierskorps aufgestellt. In einem Aufruf des Schützenvorstandes wurden dann alle Schützen aufgefordert, sich am 31. Juli auf dem Marktplatz zu versammeln, die Marschordnung zu üben und letzte Einzelheiten zu besprechen. Am 1. und 2. August (Dienstag und Mittwoch) feiert man das Fest beim Gastwirt Elberg. Der Festverlauf ist unbekannt.

Das Männerschützenfest des Jahres 1844 wurde in gleicher Weise organisiert und am 23. und 24. Juli gefeiert. Das Inventarverzeichnis aus diesem Jahre lässt folgende Rückschlüsse zu: die gewählten Offiziere wurden mit Hut und Federbusch dekoriert, Oberst und Bataillonskommandeur trugen zusätzlich noch Schärpen. 1845 feiert man erneut ein Männerfest, erstmals erhält der König eine Unterstützung von 1 Taler.

Ab dem Jahre 1848 wird dem Männerschützenkönig als Dank ein silberner Esslöffel im Wert von 1 Taler, 20 Silbergroschen überreicht. In diesem Jahr kauf die Männer-Gesellschaft aber auch eine neue "deutsche Fahne". Als Besonderheit kann man festhalten, dass ein Kranz für die Königin in Rechnung gestellt ist. Das ist der zeitlich erste Nachweis einer Königin in Südkirchen. Leider ist ihr Name nicht erwähnt.

1850 feiern die Männer bei Gastwirt Lücke. 110 Schützen hatten sich in die Liste eingetragen. Mit Elisabeth Trütschel ist uns die erste Königen namentlich bekannt. Nach diesem Jahre finden nachweislich der Plaketten weitere Männerfeste statt, erst ab 1860 liegen aber wieder schriftliche Unterlagen vor. In diesem Jahre feiern die Männer ihr Schützenfest zum letzten Mal allein. Sogar das Kreisblatt gibt dieses Fest bekannt.

1863 wird dann das erste allgemeine Schützenfest gefeiert. Wenngleich auch wie bisher abwechselnd Junggesellen- und Männer-Könige ausgeschlossen werden, können doch nun beide Gruppen am Fest teilnehmen.
1864 und 1865 werden erneut allgemeine Schützenfeste gefeiert und hierbei die finanziellen Unterstützung der Könige auf 4 Taler gesteigert. Auch die Schützen, die die Flügel abgeschossen haben (Flügelkönige), erhalten jeweils eine Flasche Wein.

Aus dem Jahre 1868 sind dann die ersten Statuten der Bruderschaft bekannt:
Art. 1: Jeder Schütze steht unter dem Befehl des Herrn Obersten und sämtlicher Offiziere, wonach sich ein jeder zu richten hat.
Art. 2: Ein jeder hat sich nach dem Commando des Herrn Hauptmann zu richten, wenn kein höherer Befehl erfolgt.
Art. 3: Jeder Schütze hat unter der Vogelrute den Betrag von 1 Mark 50 Pfg. zu entrichten und solange in Reih und Glied stehen zu bleiben, bis von sämtlichen Schützen der Betrag erhoben ist.
Art. 4: Der alte König hat den ersten Schuss.
Art. 5: Es wird aus den dazu bestimmten Büchsen beschossen.
Art. 6: Wer den geringsten Anlass zu Streitigkeiten gibt, wird aus der Gesellschaft entfernt.

Nach dem deutsch-französischen Krieg feiert man das allgemeine Schützenfest des Jahres 1871 zugleich als Krieger- und Siegesfest, da keiner der 48 Südkirchener Kriegsteilnehmer gefallen ist. Die Krieger sind auf dem Fest unkostenfrei und erhalten jeder eine Flasche Wein als Geschenk.

1878 wird das Schützenfest erstmals mit Böllerschüssen eröffnet.

Fas Fest des Jahres 1882 vermittelt weitere Neuerungen. Von nun ab werden die Offiziere nicht mehr von der Schützenversammlung gewählt. Vielmehr ist es ein gewähltes Festkomitee, welches Vorstandsfunktionen übernimmt. Es allein hat den gesamten Festablauf zu organisieren, sowie die Offiziere zu benennen.

Bis zum 1. Weltkrieg nehmen die Feste den normalen Verlauf. Stets wird ein Fest-Komitee gewählt, von diesem die Organisation übernommen und das Offizierscorps bestimmt.

1896 organisieren die Junggesellen nach 33jähriger Unterbrechung wieder das Fest.